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Zum Glockenjubiläum im Juli 2003


Zur Glocke:

2003 war ja unser 400-Jahre-Friedhofskapellenglocken-Jubiläum.

Die genaue Herkunft des 1603 gegossenen Schmuckstücks ist nicht eindeutig geklärt. Man munkelt aber, daß sie in Norddeutschland gebaut wurde und eine beachtliche Zeit weit unten in Süddeutschland als Kirchenglocke gedient haben muß. Wie sonst hätte der bayrische Liedermacher Fredl Fesl ein Lied über sie schreiben können? Unklar ist, ob die Glockensong-Erzählung in Süddeutschland erlebt wurde, oder einst mit der Glocke dorthin überliefert wurde.

Zweifelnde Stimmen behaupten zuweilen, es gäbe ja noch mehr Glocken, warum soll gerade diese den weiten Weg, zweimal quer durch Deutschland, hinter sich haben? Zumal die Transportmöglichkeiten der vergangenen Jahrhunderte sehr beschwerlich waren. Gegen die Theorie, daß es sich um verschiedene Exemplare handelt, spricht aber, daß der Inhalt des Glockensongs haargenau mit der Geschichte unserer Glocke übereinstimmt. Und es ist unwahrscheinlich, daß sich die selbe Begebenheit sowohl in Nord-, als auch in Süddeutschland genau so zugetragen hat.

Durch irgendwelche Wirren, ethnologische Bewegungen und bürgerliche Unruhen kam sie dann zurück in den Norden, um bei uns ihren Dienst als Friedhofskapellenglocke zu tun. Was über sie bekannt ist, nämlich die Geschichte, die der Glockensong erzählt, wurde zufällig im Jahr ihres 400sten Bestehens in ihre ursprüngliche Heimatsprache übersetzt. Seitdem klingt sie viel heller.

De neje Glock
Nach dem Lied „Der Glockensong“ vom bayerischen Liedermacher Fredl Fesl.
Originaltext, Melodie und andere Schmankerl gibt’s bei ihm, unter http://www.fredl-fesl.de/
Der Song wurde von Pietsch ins Plattdeutsche übersetzt, als Alt-Isenhagener Friedhofskapellenglockenjubiläumsfeierliedervortragstextvorlage am 5.7.2003.


Der Glockensong
Text und Musik: Fredl Fesl
Takt: 4/4
400 JAHRE GLOCKE
Der Glockensong von Fredl Fesl
ist lang genug bayrisch gewesn.
Den gibt’s jetz auf Platt,
er amüsiert in der Tat.
Es kann ihn auf dieser Site lesen,
wer ihn noch nicht geseh´n hat.

DAS ORIGINAL

D A - Ich wohne in der Vorstadt draus',
A D - in einem kleinen Siedlungshaus
H7 - da leb ich ruhig, da leb ich gern,
A D - die Autos hört man nur von fern.

Schau ich daheim zum Fenster naus,
steht vis a vis das Gotteshaus
der Anblick hat mich lang nicht g'stört,
weil man's bloß g'sehn hat und nicht g'hört.

Doch eines Tags in aller Früah,
da sagt mei Nachbarin zu mir
ja morg'n kriag ma neue Glock'n,
mei liabe Zeit bin i derschrock'n.

Ja so a Nachricht die haut oan um,
i war vor lauter Freud ganz stumm
und hab dann g'wart auf'n nächst'n Tag,
und auf den ersten Glockenschlag.

Um sieb'n Uhr morgens in der Nacht,
da hat's auf einmal furchtbar kracht
i lig an Meter über mei'm Bett,
und denk des gibt's doch nte.

Der christen fromme Lämmerschar,
die hat gesungen wunderbar
der Pfarrer hat sein' Herrn gelobt,
und drüber hat die Glock'n tobt.

Bei dera Kirch is des der Wurm,
da hängen d' Glock'n frei im Turm
damit oam von dem frommen Klang,
koa oanzigs Phon entgehen kann

Ich hab mich desweg'n wie sichs g'hört,
glei bei verschiedene Stell'n beschwert
doch überall ham's mir erklärt,
daß Glock'nläuten niemand stört.

Wenn oaner nachts recht b'suffa plärrt,
wenns auf am Fest zu lustig werd
wenn kloane Kinder zu laut lacha,
da kannt ma scho was dageg'n macha.

Jedoch kann man sich nicht beschwer'n,
über den frommen Gotteslärm
in unser'm Staat sind alle gleich,
doch d' Kirch gehört zum Himmelreich.


AUF PLATTDEUTSCH

Ick wohn schon Johr un Doog tohuus
in so een lütten Reetdachhuus.
Dor is dat ruhich, dor is dat schön,
Verkehr un Autos geevt dat keen.

Kiek ick so övern Gordn rut,
staiht dor de oole Kark liek ut.
Ick denk wokeen moch dat wohl störn,
is schön to seihn un nich to hörn.

Doch eenn Middog dat wor Klock twee,
Dor secht mien Nohber Hein to mi:
„We kreecht a neje Glocke von Doog!“
Dor hev ick mi wat doll verjoocht!

Dei Nochricht wor för mi fatal,
vörbi is mit de Ruh mitmol.
Ick denk wo moch dat wiedergohn?
Em nächsten Doog hev ick dat erfohrn.

Noh in der Nocht, dat wor Klock sös,
dor geevt een furchtbar laut Getös.
Dor bebt un zittert dat heele Huus,
un ick denk nu gaiht dat loos.

De heel Gemeinde dait dat Singn,
de Karkenlieder feierlich klingn.
De Her Pastror het sien Heern gelobt,
un bobn het dej Glock getobt.

Bi so een Kark, mut ick verklohrn,
dor hängt de Glocke frei im Torm,
dormit von all dem frommn Geläut
ooch nich een Phon verloorn gehn dait.

Ick bin denn glieks noh Rothuus gahn.
Wullt mi beschwern, dat gait nich an.
Doch elk een dor het mi verklöhrt,
dat Glocknläutn keeneen stört.

Ward op een Feier mol to luud,
wann Een bi Nocht trompetn dout,
is Een mol duhn un johlt un singt,
dat ünnerbinn, dat kreecht wi hin.

Jedoch konn Een sich nich beschweern
bi so een frommn Gottesleerm.
In unsn Stoot sinn alle gliek,
blos Kark is Deel vom Himmelriek.

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Etwas Anschauungsmaterial:
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Der beschwerliche Aufstieg zum Glockenturm in Alt-Isenhagen
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Das "Corpus Delicti" - Die alte Glocke mit der Inschrift ANNO 1603.
Mythen und Legenden ranken sich um die Herkunft dieses antiken Stückes.
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Schwer zu fotografieren, da der Glockenraum sehr eng ist.
Aber die Inschrift ist deutlich zu erkennen.
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ANNO 1603



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