Alt-Isenhagen / Gifhorn / Braunschweig
Eine außergewöhnliche Entdeckung machte die Besitzerin eines kleinen Hauses in Alt-Isenhagen. Bei dem Versuch, einen Rhododendron (rosé blühend) in ihren Vorgarten einzupflanzen, stieß sie in nur 55 cm Tiefe auf massiven Fels.
"Völlig unmöglich", dachte sie sich und machte sich mit großem Eifer daran, dem Rätsel auf die Spur zu kommen. Nach vielen Stunden mühevollen Grabens legte die Alt-Isenhagenerin eine Steinplatte gewaltigen Ausmaßes frei.
Sofort informierte die ambitionierte Hobbygärtnerin den ortsansässigen Archäologiebeauftragten des Landkreises, Günter Piep, der sogleich das Grabungsfeld fotografisch und auch mit Videokamera dokumentierte.
Das Amt für Archäologie und Denkmalpflege in Gifhorn hielt es zunächst für einen verfrühten Aprilscherz, als es von dem Fund erfuhr. Denn: In der Iseregion gab es bislang keine Hünengräber. Doch um sicher zu gehen, bat man die Kollegen von der TU Braunschweig vom Institut für Vor- und Frühgeschichte um Mithilfe. Prof. Dr. Urs Faustkeil besah sich das Bildmaterial und zögerte nicht lange: Mit einem Grabungsteam aus 9 Wissenschaftlern und Studenten reisten sie in Alt.Isenhagen an.
"Wir sind völlig begeistert" so Prof. Dr. Faustkeil. "Siedlungsspuren dieses Alters und dieser Art sind in der Iseniederung ganz und gar unüblich. Dieses Hünengrab beweist, dass hier in der Bronzezeit Menschen gelebt haben müssen."
Um der Einzigartigkeit des Fundes noch die Krone aufzusetzen, fanden die Forscher im Inneren des Steingrabes einen Unterkiefer, eine Schädeldecke und einen Wirbelknochen. Auch Grabbeigaben wurden entdeckt, so lag ein goldenes Halsband und gut erhaltene Tonscherben eines schweren napfähnlichen Gefäßes neben den Knochen.

Die napfähnlichen Tonscherben
"Wir haben bereits eine Kohlenstoffdatierung vornehmen lassen." so Grabungsleiter Faustkeil. "Es besteht kein Zweifel: Knochenfunde, Beigaben und Grabgröße, deuten auf die Bestattung eines prähistorischen Dackels hin, der vor gut 5000 Jahren hier gelebt hat. Vermutlich handelt es sich um ein heiliges Tier, das von den Menschen verehrt und angebetet wurde . Uns war bislang nicht klar, daß diese Hunderasse bereits vor rund 5000 Jahren existierte. Es ist zu vermuten, dass die Siedler damals einem Dackelkult anhingen." Und: "Möglicherweise müssen wir nicht nur die Geschichte der Südheide, sondern auch die gesamte Entwicklungsgeschichte des Haushundes vollkommen umschreiben. Es wäre immerhin denkbar, dass nicht der Dackel vom Wolf, sondern der Wolf vom Dackel abstammen könnte. "

Der goldene Halsreif
Der endgültige Bericht zur ersten Grabungskampagne steht noch aus, aber fest steht, dass es im nächsten Sommer erst richtig losgeht. "Wir benötigen nur noch die Genehmigung der Grundstückseignerin und die Zusage des Landkreises, um evtl. auch Land aufzukaufen und damit die Fundstücke zu erhalten" erzählt uns der wissenschaftliche Assistent Knut von Feuerstein.
Wir sind gespannt auf weitere Forschungsergebnisse. Die Gemeinde Hankensbüttel denkt bereits über einen Archäologiepark nach, denn der Fund ist auch überregional von großer touristischer Bedeutung.
Auch das ZDF hat Interesse bekundet und plant in 2005 einen Bericht im Rahmen der Sendereihe "Schliemanns Erben".